Denkmalkinos in Deutschland
Achtzehn Kinos, die bemerkenswert waren, lange bevor jemand auf die Idee kam, für ein Kino Aufpreis zu verlangen. Ein Poelzig-Saal von 1929, dessen Orgel noch am Platz steht, ein Tanzpalast, der 1949 zum Filmtheater wurde, das Premierenkino der DDR an der Karl-Marx-Allee. Fast alle verkaufen eine ganz normale Eintrittskarte, und das ist das Interessanteste an ihnen.

Alt heißt nicht, dass es noch da ist
Viele deutsche Kinos werben mit einem Gründungsjahr. Deutlich weniger zeigen noch Filme in dem Saal, auf den sich dieses Jahr bezieht, und eine denkmalgeschützte Fassade mit einem Neubau dahinter ist etwas anderes als ein Saal, in dem man sitzen kann. Jedes Kino hier besteht drei Prüfungen: Wir führen sein Programm, der historische Saal ist der Saal, in dem der Film läuft, und die Geschichte steht auf den Seiten des Betreibers selbst.
Die dritte Prüfung ist die Liste, und sie bewegt sich. Die Lichtburg in Essen, der größte Kinosaal des Landes, fehlte in der ersten Fassung dieser Seite allein deshalb, weil ihre Seite nicht antwortete; der Grund war eine Weiterleitung auf die andere Domain des Betreibers, und jetzt steht sie hier. Was noch fehlt, fehlt aus solchen Gründen und nicht, weil es die Prüfung nicht bestünde.
Die achtzehn
Sortiert nach dem Jahr, in dem im jeweiligen Saal der erste Film lief, was nicht immer das Jahr des Gebäudes ist. Das Delphi ist ein Tanzpalast von 1928 und ein Kino von 1949, und beide Daten zählen.
- Wuppertal Rex Filmtheater
Das Haus datiert seinen ersten Film auf 1889 und sagt gleich dazu, was das hieße und warum es nicht gilt: Es wäre das älteste Kino der Welt, nur war das Rex 1889 ein Hotel namens Salamander. Kino ist es durch viele Umbauten und eine vollständige Zerstörung hindurch geblieben. Das Eis wird bis heute an den Platz gebracht, und hinten gibt es Privatlogen.

- Leipzig UT Connewitz
Der erste Film lief am ersten Weihnachtsfeiertag 1912: Die schwarze Katze, Regie Viggo Larsen. Der Stahlbetonskelettbau war im selben Jahr von William Pittschaft, Emil Seyfarth und Arthur Werner errichtet worden, und Hermann Haase spielte als Erster darin Filme. U.T. Connewitz heißt es seit Oktober 1920. Die Straße hat seither ihren Namen gewechselt, der Saal nicht seine Nutzung.

- Leipzig Passage Kinos
Am 26. November 1915 von Reinhold Meißner als U.T Hainstraße mit 580 Plätzen eröffnet, und seither läuft in derselben Passage an der Hainstraße Film. Der Name Passage kam erst viel später dazu. Die eigene Historienseite ist eine Jahr-für-Jahr-Liste, was bei einem Kino ein gutes Zeichen ist.

- Essen Filmstudio Glückauf
Essens ältestes Kino, seit 1924 in Betrieb, auf der Rüttenscheider Straße, in der Stadt nur die Rü. Der Betreiber zählt es zu den ältesten in Nordrhein-Westfalen und nennt es den Diamanten unter den Lichtspieltheatern der Region, was Betreiber eben so sagen, nur stützt die Bilanz es: Von einst über zwanzig Leinwänden in der Essener Innenstadt sind sechs übrig, und dies ist eine davon. 250 Plätze, im Stil der fünfziger Jahre renoviert statt aus ihm heraus.

- Stuttgart Das Metropol
Ein denkmalgeschütztes Lichtspielhaus an der Stelle des ersten Stuttgarter Bahnhofs, der 1846 eröffnete und 1922 vom heutigen Hauptbahnhof abgelöst wurde. 1926 wurde das Gebäude zum Kino. Was das heißt, zeigt Kino 1 bis heute: eine wieder freigelegte Kuppel, ein Wolkenvorhang, ein Balkon, roter Samt und Gold, und davor mit 106 Quadratmetern die größte Leinwand der Innenstadt. Kino 3 ging den anderen Weg und hat Stuttgarts ersten Cinema-LED-Screen.

- Berlin Cineplex Titania
Das Haus wurde 1926/27 in Steglitz erbaut, und was darin danach geschah, ist der Grund, warum es hier steht. Die Berliner Philharmoniker gaben auf dieser Bühne ihr erstes Konzert nach dem Zweiten Weltkrieg. Die erste Berlinale fand hier statt. Marlene Dietrich gab hier ihr letztes Berliner Konzert, Maria Callas sang hier. Heute sind es sieben Säle mit rund 1.200 Plätzen, ein arbeitendes Multiplex und kein Museum, und diesen Tausch hat jedes Haus auf dieser Seite gemacht.

- Leipzig Schauburg
1928 am Adler nach Plänen von Hermann Mäding für einen Filmverleih gebaut, im Stil des Art Déco. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Nach mehreren Umbauten sind es heute drei Säle mit zusammen 435 Plätzen, deutlich weniger als der eine Saal am Anfang hatte, und die Ausstattung der frühen Lichtspielhauszeit hat all das überstanden.

- Essen Lichtburg
Der größte Kinosaal Deutschlands, und der Betreiber windet sich nicht darum herum: 1.250 Plätze in einem Raum, 1928 eröffnet, ein Relikt aus der Epoche der großen Filmpaläste. Selbstverständlich war das Überleben nicht. Ein jahrelanger öffentlicher Kampf erhielt das Haus als Kino, danach wurde es ein Jahr lang geschlossen, restauriert, film- und bühnentechnisch erneuert und im März 2003 wiedereröffnet. Zurzeit läuft Die Odyssee hier als einziger Ort in Nordrhein-Westfalen in 70 mm.

- Berlin Babylon
Hans Poelzigs drittes Kino, eröffnet im April 1929 am heutigen Rosa-Luxemburg-Platz. Hier steht die einzige Kinoorgel Deutschlands, die noch an ihrem ursprünglichen Ort erhalten ist: eine Philipps-Kinoorchesterorgel aus Frankfurt am Main, als sie neu war die größte ihrer Art im Land, 2019 restauriert. Der Spieltisch hat zwei Manuale, ein Pedal und hundert Register, und gespielt wird sie zu Stummfilmvorführungen statt hinter Glas zu stehen. Der große Saal fasst 500 Plätze.

- Gelsenkirchen Schauburg Filmpalast
Nach eigener Beschreibung einer der letzten klassischen Kinopaläste Deutschlands, und das Gebäude von 1929 liest sich noch immer als Theaterarchitektur: geschwungene Wandelgänge mit sehr vielen Türen, ein ausladender Treppenaufgang, in der Mitte ein lichtes Foyer. Angefangen hat es als ein Saal mit 1.400 Plätzen, heute sind es drei. Das Filmtheater steht teilweise unter Denkmalschutz und teilt sein Programm mit dem Kommunalen Kino der Stadt.

- Bremen Schauburg
Im September 1929 eröffnet, entworfen vom Bremer Architekten Joseph Ostwald für den Kaufmann Johannes Hagen, mit 800 Plätzen, und es war das erste Tonfilmtheater der Stadt. Die Stummfilmkinos verschwanden kurz darauf aus dem Bremer Stadtbild. In der Kinokrise der frühen achtziger Jahre stand es vor dem Aus, bis 1982 ein Verein einsprang, die Säle verkleinerte und ein Programmkino daraus machte. Heute zwei Säle mit 349 Plätzen, der größere mit einer Leinwand von fast 90 Quadratmetern.

- Berlin Delphi Filmpalast
Bernhard Sehring, der nebenan das Theater des Westens gebaut hatte, entwarf dies Ende der zwanziger Jahre als Tanzlokal. Es eröffnete 1928, und seine Nächte waren wild genug für einen Eintrag im Führer durch das lasterhafte Berlin von 1931. Der Krieg ließ fast nichts übrig. Walter Jonigkeit baute es 1949 zum Filmtheater mit 1.200 Plätzen um, und 1980 verhinderte ein eintägiger Streik der Berliner Off-Kinos die geplante Aufteilung in ein Mehrsaalkino. Heute ist es der größte Programmkinosaal des Landes, über 670 Plätze, mit Laserprojektion in 4K.

- Berlin ASTOR Film Lounge
Gerhard Fritsches muschelförmiger Saal von 1952, seither denkmalgeschützt, am Kurfürstendamm. Flebbe riss 2008 den Großteil der Bestuhlung heraus und stellte 231 Ledersessel in vierzehn Reihen hinein, und so sitzt man heute darin. Vor der Buchung gut zu wissen: Projiziert wird in 2K auf 13,2 Meter Leinwandbreite. Man kommt wegen des Raums, nicht wegen des Bildes.

- Essen Eulenspiegel
1955 eröffnet und eines von drei originalen Fünfzigerjahre-Kinos, die sein Betreiber erhalten hat, renoviert im Stil ihrer Bauzeit statt aus ihm heraus. 288 Plätze. Erwähnenswert ist es, weil es gewöhnlich ist: ein Stadtteilkino der Wiederaufbaujahre, wie es fast jede deutsche Stadt hatte und fast keine noch im eigenen Saal hat.

- München Gloria Palast
Eröffnet am 28. August 1956, gebaut von der Filmproduzentin Ilse Kubaschewski, jahrzehntelang Münchens führendes Premierenkino. Der ursprüngliche Saal mit 800 Plätzen war für beleuchtete Wasserfontänen bekannt, die zu Orgelmusik in Säulen vor dem Vorhang aufstiegen. Geblieben ist ein Saal mit 242 Plätzen am Karlsplatz, heute mit einem Barco-RGB-Laser, eine seltsame und ziemlich gute Kombination.

- Hamburg SAVOY Filmtheater
1957 mit Todd-AO eröffnet und als modernstes Kino Europas beworben, was es einige Jahre lang auch war. Ein Saal, eine Leinwand von 16,8 mal 7,1 Metern, schwere Bühnenvorhänge. 2015 kam ein 70-mm-Projektor zurück ins Haus, der Saal kann also noch, wofür er gebaut wurde.

- Berlin Zoo Palast
An dieser Adresse läuft seit 1915 Film; das Gebäude, das man heute betritt, wurde 1957 eingeweiht und steht unter Denkmalschutz. Bis 1999 war es Wettbewerbsspielstätte der Berlinale, Ende 2011 ging es zu und am 27. November 2013 nach einer über zweijährigen Sanierung wieder auf. Kino 1 fasst knapp 800 Plätze vor 21 mal 9 Metern Leinwand, mit 93 Lautsprechern auf 44 Atmos-Kanälen und einem 70-mm-Projektor, der noch eingelegt wird.

- Berlin Kino International
Eröffnet am 15. November 1963 nach Entwürfen von Josef Kaiser und Heinz Aust, Premierenkino der DEFA und der beste erhaltene Saal der Ostberliner Nachkriegsmoderne. Coming Out wurde hier am 9. November 1989 uraufgeführt, in der Nacht der Maueröffnung. Seit 1990 denkmalgeschützt, seit 1992 bei der Yorck-Gruppe. Die Sanierung hinterließ 506 Plätze mit größerem Reihenabstand, eine Leinwand von 19 mal 8 Metern und einen Christie-Laser in 4K, und brachte dem silbernen Premierenvorhang seine zwanzig Millionen Pailletten wieder zum Glänzen.

Fast nichts davon kostet extra
Ein großartiger Saal und eine Premiumkarte sind zwei verschiedene Käufe, und sie werden leicht verwechselt, weil beides als Luxus beschrieben wird. Vierzehn der achtzehn Häuser hier verkaufen den normalen Eintritt ihrer Stadt: Im Kino International zahlt man wie in jedem anderen Yorck-Kino, im Babylon wie in jedem Berliner Programmkino. Die anderen vier sind zufällig auch Premiumkinos, was etwas über ihren Service aussagt und nichts über ihre Architektur.
Die Premiumkinos und was sie verlangenGut zu wissen
- Was macht ein Kino hier zum Denkmalkino?
- Drei Dinge, alle überprüfbar. Wir führen sein Programm, der Eintrag verlinkt also auf echte Spielzeiten. Es zeigt noch Filme im historischen Saal und nicht hinter einer erhaltenen Fassade. Und die Geschichte steht auf den Seiten des Hauses selbst, Jahr, Architekt und Denkmalschutz stammen also vom Betreiber und nicht aus einer Zusammenfassung.
- Welches ist das älteste Kino Deutschlands?
- Das hängt davon ab, was man zählt, und das Rex in Wuppertal macht das Problem deutlich: Es datiert seine erste Vorführung auf 1889, womit es das älteste überhaupt wäre, nur war das Gebäude damals ein Hotel. Mehrere deutsche Kinos haben einen Anspruch dieser Art, und jeder beruht auf einer anderen Definition. Diese Seite sortiert deshalb nach der ersten Vorführung und lässt die Daten sprechen.
- Kosten Denkmalkinos mehr?
- Meistens nicht. Die meisten verlangen den üblichen Eintrittspreis ihrer Stadt. vier der achtzehn sind zugleich Premiumkinos mit Bedienung am Platz, und das treibt dort den Preis, nicht der Saal.
- Welches Kino hat noch seine originale Orgel?
- Das Babylon in Berlin. Seine Philipps-Kinoorchesterorgel ist die einzige in Deutschland, die noch dort steht, wo sie 1929 eingebaut wurde, und sie wird zu Stummfilmvorführungen gespielt statt als Ausstellungsstück verwahrt.
- Welche Kinos fehlen?
- Die, deren Betreiber nichts veröffentlicht, was sich nachlesen lässt, und das ist eine andere Liste als die der Häuser, die die Prüfung nicht bestünden. Vier wurden verfolgt und beantwortet. Der Weltspiegel in Mettmann nennt sich das älteste durchgehend bespielte Kino Deutschlands und hat keine auffindbare Website, was am meisten schmerzt. Die Schauburg in Dortmund hat ebenfalls keine. Dem Capitol in Schwerin fehlt nicht die Substanz, sondern das Datum: Sein Kino 1 wurde gemeinsam mit dem Denkmalschutzamt saniert und fasst 487 Plätze auf Parkett, Balkon und Logen, nur steht nirgends, wann es eröffnete, und eine nach Jahren sortierte Seite kann es nicht einordnen. Die Lichtburg in Oberhausen hat ihre Domain an eine Krypto-Spamseite verloren.
Jeder Eintrag wurde am 7. August 2026 auf den Seiten des Betreibers nachgelesen. Jahreszahlen, Architekten und Platzzahlen stammen von dort.